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So manche Themen und Arbeitsschwerpunkte erschließen sich erst vor dem Hintergrund der eigenen Biografie. Hier also eine knappe Skizze des professionellen Werdegangs, die wie jede gute Geschichte in der Rückschau schlüssiger wirkt als im unmittelbaren Erleben.


Der Ethnologe
An das Studium der Kulturwissenschaften, Psychologie und Philosophie schließt sich eine zweijährige Feldforschung in Ghana/Westafrika an. Im Rahmen eines interdisziplinären Forschungsprojekts findet eine intensive Beschäftigung mit den Überlebensstrategien der städtischen Armutsbevölkerung statt. Wie gelingt es Menschen, die vom Land in die Stadt gespült werden, ohne Geld und Landwirtschaft zu überleben? Der Schlüssel sind soziale Netzwerke, Beziehungskapital also, das zur Überlebenssicherung eingesetzt wird. Die Herausforderung dabei: wie optimiert man die individuellen Ressourcen, ohne aus der sozialen Gemeinschaft herauszufallen? Eine Frage, die sich auch in anderen Kontexten stellt – im Slum allerdings zugespitzt auf die Frage des eigenen Überlebens. Eine harte Schule auch für den Ethnologen, der als teilnehmender Beobachter in das Geschehen involviert ist. Im Anschluß daran Lehrtätigkeit an der Universität Freiburg/Breisgau und Promotion.

Der Berater
Durch einen Zufall entsteht die Gelegenheit zu einer dreijährigen “Feldforschung” im damaligen Mercedes-Benz Konzern: in der Rolle des internen Beraters geht es um die Unterstützung von Führungskräften bei der Umsetzung eines neuen Leitbilds. Auch hier bewährt sich die ethnologische Haltung einer „teilnehmenden Beobachtung“, die zum Leitmotiv für das eigene Beratungsverständnis wird. Dies ist die Initiation in der Welt der Großkonzerne, aber auch in die Community der systemischen Beratung, die professionellen Rolle als zunächst interner, später dann externer Organisationsberater.

Fasziniert vom Zusammenspiel von Mensch und Organisation führt der Weg zur Österreichischen Gesellschaft für Gruppendynamik und Organisationsberatung (ÖGGO):  eine langjährige Professionalisierung zum systemischen Organisationsberater und Lehrtrainer nimmt ihren Anfang. Die Gründung der Unternehmensberatung osb Tübingen GmbH markiert schließlich den Beginn einer mittlerweile mehr als 15jährigen Arbeit als selbstständiger Organisationsberater, der sich auf die Entwicklung und Begleitung von Führungskräften bei ihrer nie trivialen Aufgabe der Steuerung von Kommunikationsprozessen und der Aufmerksamkeit der darin verwickelten Personen spezialisiert hat.

Der Wissenschaftler
Mit zunehmender Erfahrung wachsen Projekte und Verantwortungsbereiche, aber auch das Interesse an einer theoretischen Vertiefung der eigenen Arbeit wie auch der Kontexte, in denen sie stattfindet. Die intensive Auseinandersetzung mit der modernen Systemtheorie öffnet Augen und Ohren für die Paradoxien nicht nur von Organisationen, sondern auch der daran teilhabenden Führung. Durch den Einbezug gesellschaftlicher Fragestellungen und der Zusammenarbeit mit Prof. Dirk Baecker entsteht ein erster Link zur Fragen eines postheroischen Managements. Der Kreis beginnt sich zu schließen: die Einladung zur diversen Lehrtätigkeiten führt wieder zurück an den Ausgangspunkt. Die Universität wird Teil der eigenen Arbeit, die Auseinandersetzungen dort führen zu mehreren Buchpublikationen und schließlich in ein Habilitationsverfahren.

Die eigene Fragestellung gewinnt dabei vor dem Hintergrund sich abzeichnender gesellschaftlicher Umbrüche an Schärfe: Wie muss Führung im Kontext von Organisation gedacht werden, damit sie die unglaublichen Herausforderungen einer sich mehr und mehr vernetzenden, globalen Welt bewältigen kann?